Museum  Termine  Oldtimerlinien  Sonderfahrten  Shop  Der Verein   

In den 90 Jahren seit Gründung des ersten von zwei Vorläuferunter- nehmen ist der Betriebszweig Omnibus der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) stetig gewachsen. Die folgende Bilderchronik zeigt eine Reihe von Meilensteinen aus neun Jahrzehnten Omnibusgeschichte in Stuttgart und der Region. Mehr zur Entwicklung des Verkehrsmittels Bus im Allgemeinen und zum Werdegang des Kraftverkehrs als dem "zweiten Standbeins" der SSB erfahren Sie in der Straßenbahnwelt Stuttgart, wo sich ab 11. September 2016 eine neue Ausstellung mit diesem bedeutenden Teilaspekt der Technik-, Heimat- und Sozialgeschichte auseinandersetzt.


Nächtliche Haltestelle am Kursaal der ersten Buslinie A.


Einer der ersten Busse der Stuttgarter Kraftwagenlinien-Gesellschaft (SKG), einer Gründung der Landeshauptstadt und der SSB.


Zwischen der Silberburgstraße und dem Kursaal pendelte die erste Stuttgarter Buslinie A. Den Betrieb organisierte die SSB.


Eine öffentlich-regionale Omnibusgesellschaft: Das gab es schon ab 1927 in Gestalt des Autoverkehrsverbandes Stuttgart (AVS). Die ersten Linien führten nach Leonberg, Waiblingen und Nürtingen. An diesem Unternehmen waren die Nachbarlandkreise, die Stadt Stuttgart und die SSB beteiligt. Der Busfahrer war eindeutig Respektsperson!


Auch die frühen Busse der 1920er Jahre besaßen bereits Polstersitze, was für den Fahrkomfort auf den oft holprigen Straßen aber auch gut war.


Seitlich verglaste Panoramadächer waren Mitte der 1930er Jahre der letzte Schrei bei der „Busmode“, parallel kam die Stromlinienform dazu, und die Karosserie wurde um den Motor herumgezogen – leiser und weniger warm wurde es dadurch im Inneren bestimmt nicht. Solche Busse wurden bei der SSB gerne für Ausflugsfahrten in schöne Gegenden gebucht. Fast alle Busse der SSB zog die Wehrmacht ein, zurück bekam sie fast keinen.


Um zu zeigen, dass die beiden kommunalen Omnibusbetriebe in Stuttgart und Region interkommunale Einrichtungen waren und nicht ausschließlich der Landeshauptstadt oder der SSB gehörten, trugen diese Busse eine grüne Lackierung. Werbedarstellung von 1939.


Ab Mitte der 1950er Jahre bekamen neue Busse der SSB dann die von den Straßenbahnen Stuttgarts her bekannte Lackierung in den „Stadtfarben“ gelb-schwarz mit weißem Kontrastband. Der O 4500 war der letzte hergestellte Typ des „Schnauzenbusses“.


Ab 1955 wanderte bei neuen Buskonstruktionen der Motor von der Stirnfront nach hinten ans Heck. Die kleinen Busse vom Typ O 321 H gehörten auch dazu. Für die neue Linie Ga durch den 1958 eröffneten Wagenburgtunnel beschaffte die SSB diese wendigen Fahrzeuge.


Bei der Berlin-Krise von 1961 wurden zahlreiche Buslinien unterbrochen, und die Fahrzeuge fehlten. Neben anderen westdeutschen Betrieben schickte auch die SSB kurzfristig für mehrere Wochen eine Handvoll Busse mitsamt Stuttgarter Fahrern in die geteilte Stadt.


Das neue Wohngebiet Fasanenhof von 1961 bekam von Anfang an einen Anschluss an die Straßenbahn zugesagt – der erfolgte aber erst 2011. Für das hohe Verkehrsaufkommen dorthin brauchte es Gelenkbusse. Die warten entwickelt worden, nachdem separate Fahrgastanhänger an Omnibussen ab 1958 aus Sicherheitsgründen verboten worden waren. Der Typ O 317 war der erste Gelenkbus von Daimler.


Eine weitere Antwort auf das Verschwinden der Bus-Anhänger waren die so genannten Anderthalbdecker, also Halb-Doppelstockbusse in einer bewusst niedrigen Ausführung, damit sie auch auf Überlandstrecken unter den damals oft noch niedrigen Brücken durch passten. Als Fahrgestell diente auch hier das bewährte und robuste Chassis des O 317 von Daimler.


Elektromobilität ist auch beim Straßenfahrzeug sozusagen ein alter Hut. Schon Porsches erste Autos von 1906 fuhren mit Batterieantrieb. Rund 70 Jahre später experimentierten Daimler und die SSB mit Linienbussen mit Akkumulator. Der Versuch war grundsätzlich erfolgreich, die Fahrzeuge aber zu schwer und zu teuer.


Ein formschönes Brot-und-Butter-Fahrzeug war der Standardbus I, hier am Forsthaus 1. Links die Überlandversion (O 307), rechts die Ausführung für den Stadtverkehr (O 305), mit höherem Dach.


Dienstkleidung steht für Autorität wie für Vertrauenswürdigkeit und Zugehörigkeit. Auch das dienstliche Outfit der SSB-Mitarbeiter im Fahrdienst Mitte der 1980er Jahre strahlte noch die klassische Solidität des öffentlichen Dienstes aus.


Auch die deutsche Wiedervereinigung schuf kurzzeitig ein Verkehrsproblem in Berlin. Und wieder entsandte auch die SSB eilends Fahrzeuge und Mitarbeiter zur kollegialen Hilfe in die neue Hauptstadt.


„Niederflurbus“ hieß das Zauberwort ab Ende der 1990er Jahre auch für die SSB. Die Versuchsserie von 1997 verfügte zusätzlich über elektrischen Antrieb und Generator mit Dieselantrieb, dies waren also erneut Hybridbusse.


Seit dem internationalen Kongress der Welt-Verkehrsbetriebe in Stuttgart 1997 wurde das Netz an Busfahrstreifen, Bevorrechtigungen und barrierefreien Bushaltestellen auch bei der SSB stark ausgebaut. Das Thema „Busbeschleunigung“ bleibt unverändert aktuell.


Alltagswelt in Wohnzimmergröße: Den Bahnhof Möhringen im Zustand der 1960er Jahre baute SSB-Mitarbeiter Thomas Mörbe in allen Einzelheiten akribisch nach. Ehrensache, dass am Halteplatz der Linie 72 ein mit „Männle“ besetzter gelber SSB-Bus steht!


Der O 405 war die letzte Daimler-Bustype in Hochflurausführung. Die robusten Wagen waren bei Fahrern und Werkstatt beliebt. 2010 kam bei der SSB der endgültige Abschied – bei einigen privaten Busunternehmen in der Region tun diese robusten „großen Autos“ noch immer Dienst.


Mit dem Daimler-Typ Citaro hielten Niederflurbusse flächendeckend Einzug. 2010 wurde das Foto an der gleichen Stelle im Wagenburgtunnel nachgestellt wie die Aufnahme von 1958.


Schon 2001 erprobte die SSB einige Wasserstoffbusse als Prototypen. Seit 2014 stehen Vorserienfahrzeuge in Stuttgart im dauerhaften Linieneinsatz. Weil man von ihnen fast nichts hört und gar nichts riecht, fallen die völlig abgasfreien Fahrzeuge den wenigsten Passanten auf – und das sollen sie auch!


Serielle Hybridbusse sind Linienbusse mit Dieselmotor, der über einen Generator eine Batterie speist, aus welcher die elektrischen Antriebsmotoren versorgt werden. Daher erfolgt das Anfahren und ein Teil der Fahrt rein elektrisch und insoweit völlig lärmarm und abgasfrei. Seit 2010 stehen solche Busse, Fabrikat Daimler, bei der SSB im Dauereinsatz, seit 2016 mit einer neuen Hybridbusgeneration von Volvo.


Mit dem wie fabrikneu hergerichteten O 317 von 1961 in Überlandversion pflegt die SSB erneut das Thema historische Mobilität als wertvolles Kulturgut.